Arbon: drittgrößte Stadt am südlichen Bodenseeufer
Arbon liegt am Bodensee zwischen Romanshorn und Rorschach und zählte Ende 2024 rund 16.200 Einwohner, ein Plus von 3,18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Arbon die drittgrößte Stadt des Kantons Thurgau, gleichzeitig aber mit nur 6 Quadratkilometern Fläche eine der kompaktesten. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sieht sofort: Arbon ist dicht bebaut, Mehrfamilienhäuser prägen weite Teile der Stadt, freistehende Einfamilienhäuser sind eher die Ausnahme als die Regel.
Die Stadt blickt dabei auf eine lange Geschichte zurück, von Pfahlbauresten über eine römische Stadtmauer bis zur intakten mittelalterlichen Altstadt am Hafen. Prägend wurde Arbon aber im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung: Zwischen 1850 und 1910 verzehnfachte sich die Einwohnerzahl auf fast 10.000, die Hälfte davon zugewanderte Deutsche und Italiener, die in den neuen Fabriken Arbeit fanden. 1910 arbeiteten 35,8 Prozent der Erwerbstätigen in der Stickerei, 27,7 Prozent in weiterer Industrie.
Vom Fabrikmagnet zum WerkZwei: das Saurer-Areal im Wandel
Kein Name steht so für Arbon wie Saurer. 1863 verlegte der Deutsche Franz Saurer seine mechanische Werkstätte von St. Gallen nach Arbon, ab 1888 baute das Unternehmen Stickmaschinen und Verbrennungsmotoren, später Lastwagen und Omnibusse. Bis 1983 liefen bei Adolph Saurer AG Lastwagen vom Band, bis 1986 auch Militärfahrzeuge; heute stellt der verbliebene Betrieb nur noch Textilmaschinen her. Parallel dazu beschäftigte der amerikanische Unternehmer Arnold Bendix Heine in seiner Stickereifabrik, zeitweise der größten der Welt, nach eigenen Angaben über 4.000 Personen und zählte 1905 zu den zwanzig größten Arbeitgebern der Schweiz.
Von dieser Vergangenheit zeugt heute das Saurer-WerkZwei-Areal, das seit dem Gestaltungsplan von 2007 und der Übernahme durch die HRS Real Estate AG 2012 schrittweise zu Wohn- und Gewerbeflächen umgebaut wird. Das Areal erstreckt sich über die Gemeindegrenze hinweg auf Arbon und das benachbarte Steinach, was die Planung zusätzlich komplex macht: Zwei Gemeindeverwaltungen, zwei Baurechtsordnungen, ein zusammenhängendes Gelände. Das Zürcher Büro Burkhalter Sumi gewann den Projektwettbewerb «Wohnen am Park», einzelne Baufelder sind bereits realisiert und veräußert, andere noch in Planung. Die Museumsgesellschaft Arbon und der ehrenamtlich geführte Oldtimer Club Saurer halten die Geschichte parallel dazu lebendig, mit dem Saurer Museum am See und dem Saurer Museum DEPOT direkt im WerkZwei — 2014 mit dem europäischen Silletto-Preis für ehrenamtliches Museumsengagement ausgezeichnet.

